Mit den kleinen Kosaken auf der Bühne

Am sechsten Tag fuhren wir nach Lvovo, einem kleinen Dorf ca. 50 km von Kherson entfernt, um dort eine Kosakenschule zu besichtigen. Die Kinder hatten wieder viele Tänze in tollen Kostümen aufgeführt und für die Kleinen fand noch eine „Kosakenehrung“ statt, bei welcher der „Kosakeneid“ abgelegt wurde, in dem so einiges fürs Leben gelobt wurde. Die Kinder gelobten, immer ehrlich und gerecht zu sein, den Alten und Schwachen beizustehen und Freundschaft zu pflegen.

Diese wichtigen Inhalte werden schon von Beginn an als Werte vermittelt. „Wie kann man Gutes tun, helfen, wie verhält man sich älteren Menschen gegenüber, wie geht man mit Freunden um….“. Solche Wertevermittlung schon von der Grundschule an halte ich für eine äußerst weise Entscheidung. Denn was nutzen Erdkunde und Chemie und die ganzen anderen guten Fächer, wenn man nicht lernt, ein gutes Miteinander zu führen?!

Rein von den Räumlichkeiten und Einrichtungsgegenständen kann die Schule ein Mehr an Spenden dringend gebrauchen. Doch wie bisher überall fällt auch hier auf, dass jeder Raum mit Liebe gestaltet wird. Und die kreativen Ideen, die die Kinder mit bei der Gestaltung der Schule einbringen, sind einfach schön.



Im Anschluss überquerten wir die Straße und betraten ein sehr „unfertiges“ Gelände. Der Bau sah von außen „unbehandelt“ aus. Dennoch in all dieser Einfachheit wurden die Blumenbeete mit Ziegelsteinen chic umrandet. Im Mauerwerk sind sowohl innen wie außen Risse und der Putz bröckelt von den Wänden.

Als wir dann um die Ecke bogen und durch die Eingangstür gingen, betraten wir ein altes Ärztehaus. Es sind sehr dunkle Räume, selbst wenn das Licht angeschaltet ist. Die Vorhänge sind schlicht angebracht. Die Kabel hängen zum Teil heraus und sind nur noch behelfsweise angelegt. Insgesamt ein sanierungs-bedürftiges Anwesen.

Genau hierfür hat mein Herz geschlagen, denn die Menschen in diesem Ort müssen für einen Arztbesuch über 40 km fahren, was für ältere Leute ein erheblicher Aufwand ist, da zumeist keine Mobilität vorhanden ist.

Der Wunsch der Menschen hier ist es, dass sich wieder ein Arzt niederlässt, damit dieses Haus richtig in Betrieb genommen werden kann. Dazu bräuchte es ein „Viel“ an allem (Inventar, Komplettausstattung Zahnarztpraxis, Betten etc.) und vor allem: Menschen vor Ort, die bei dem Wiederaufbau mithelfen.

Das Herz der Menschen hier ist groß und Liebe genug vorhanden. Wenn der Glaube und die Hoffnung wächst, gemeinsam echt etwas bewirken zu können, dann kann viel erreicht werden.



Der „Kulturschock“ des Abends war dann für mich das Einkaufszentrum in Kherson, was eher einer überdachten „Vegas-Welt-Kirmes“ gleicht. Ein Prunk, dass man meint, man wäre in einem reichen Land. Trittst du wieder heraus aus dieser „anderen Welt“, siehst du das Grau der alten Häuser und kaputten Straßen.

Einerseits ist es ein Begegnungspunkt für Jugendliche, die sich in den Spielhallen beschäftigen können (wieviel das gekostet hat, habe ich nicht nachgeguckt). Doch der Sog des Reichtums lässt in einem das Verlangen nach genau diesem nach oben schnellen. Es ist schwer dann noch zu vermitteln, dass der Reichtum an guten Werten, die in einigen Schulen vermittelt werden, der tatsächlich GUTE und andauernde Reichtum ist.

Sicherlich, Straßen sollten befahrbar sein (allein wegen der Langlebigkeit der Autos) und Häuser saniert und Schulen gut ausgestattet. Aber wenn in den Herzen der Menschen das Verlangen geweckt wird, einem Reichtum, wie er in diesem Einkaufszentrum wiedergespiegelt wird, nachstreben zu müssen, droht dabei, das eigentlich Wichtige zu ersticken.


Links:
Schulmöbel für die Ukraine
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Endlich verteilt,
Hilfsgütersammlung in Hannover
Reise in die Ukraine Teil 1
Besuch bei Luba und der Baptistengemeinde
Reise in die Ukraine Teil 3

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