Eine Kurzandacht von Dr. phil. Tanja Christina Zilius
Psychologin und Psychotherapeutin

 

Freitod oder Frei leben

Es ist leider ein weit verbreitetes Phänomen, dass sich Menschen selbst Schaden zufügen – zum Beispiel durch Alkohol oder Drogen, durch exzessiven Lebenswandel, durch lebensmüde oder verantwortungslose Aktivitäten, durch Fress- oder Magersüchte oder durch ein selbstverletzendes Verhalten und gar endgültig: durch Suizid.

Menschen können sich aber nicht nur – ob absichtlich oder leichtfertig – körperlich schaden, sie können auch ihrer Seele Schaden zufügen, sei es durch Faulheit, Machtspiele, Manipulationen, Boshaftigkeiten, satanische Kulte o.a. Zudem kann die Seele auch indirekt Schaden nehmen, denn Körper, Geist und Seele bilden ja zusammen den Menschen. Wer seinem Körper Schaden zufügt, schädigt deshalb auch immer seine Seele.

Normalerweise verfügen wir Menschen aber – Gott sei Dank –  über einen Geist, der verstandesmäßig und/oder spirituell verhindert, dass wir uns selbst einen Schaden zufügen. Deshalb wird jemand, der sich selbst schädigt, von seinen Mitmenschen mitunter gefragt, ob er den Verstand verloren habe oder noch ganz „dicht“ sei.

In früheren Zeiten nannte man Krankenhäuser für Menschen mit seelischen Störungen daher „Irren-haus“. Dieser überholte Begriff macht deutlich, dass die Annahme verbreitet war, man müsse den Verstand verloren haben, d. h. man müsse „irre“ geworden sein, wenn man nicht mehr in der Lage war, selbst auf sein seelisches Wohlergehen zu achten.

Heutzutage geht man davon aus, dass ein Zusammenspiel von biologischen, genetischen und sozialen Faktoren für die seelische Gesundheit verantwortlich ist. Dabei gibt es Störungsbilder, die zu einem größeren Anteil genetisch bedingt sind, wie zum Beispiel Tic-Störungen oder endogene Depressionen.  Dagegen spielen z.B. bei Körperbildstörungen oder Posttraumatischen Belastungs-störungen soziale Faktoren eine größere Rolle.

Als Christ teile ich die Meinung mit den Forschern, dass wir biologisch (von Gott) so ausgestattet wurden, dass wir über Bewältigungsfähigkeiten verfügen, uns auch unter widrigen Lebensumständen seelisch gesund zu halten. Daher ist es auch möglich, mit psychotherapeutischen Methoden und Interventionen diese Bewältigungsfähigkeiten zu stärken und die seelische Gesundheit wiederherzustellen.

Allerdings ist zu beobachten, dass diese natürlichen Heilungsfähigkeiten und -methoden umso mehr an ihre Grenzen stoßen, je chronifizierter die Störung ist und/oder je gravierender die Belastungs-faktoren sind. Es ist sicher nicht verwunderlich und gut nachvollziehbar, dass z.B. ein Mädchen, dass jahrelang vom eigenen Vater sexuell missbraucht wurde, einen schwierigeren Heilungsweg hat, als ein gleichaltes Mädchen, dass auf einer Jugendfeier im Nebenraum Opfer eines einmaligen sexuellen Übergriffes wurde. Hier verhält es sich mit den Heilungsaussichten der Seele ebenso wie mit Heilungsaussichten bei körperlichen Gebrechen: Während ein einfacher Beinbruch bei einem jungen Menschen in der Regel nach 6 Wochen folgenlos ausheilt, kann ein komplizierter Beinbruch bei einer Frau mit geringer Knochendichte (Osteoporeose) im schlimmsten Fall zur Invalidität führen.

Wenn natürliche psychologische und medizinische Heilmethoden an ihre Grenzen stoßen, greifen Betroffene gerne zu fragwürdigen übernatürlichen Heilmethoden, die spirituell gesehen sehr gefährlich sind und oft auch sehr negative Nebenwirkungen im natürlichen sichtbaren Bereich aufweisen (z.B. Abhängigkeit von einem Geistheiler, Wahnvorstellungen, Sektiererei, Verschuldung, lebensgefährlicher Verzicht auf noch nicht ausgeschöpfte wirksame medizinische Therapien usw.).

In der Regel geschieht dies in bester Absicht und in purer Unkenntnis möglicher Gefahren.

Zum Glück gibt es aber auch einen – und zwar wirklich nur einen einzigenübernatürlichen Helfer, an den man sich gefahrlos wenden kann: Jesus Christus!

Die christliche Literatur ist angefangen bei der Bibel bis heute voll von objektiv bezeugten Beispielen, wo nach wissenschaftlichen Maßstäben unheilbar erscheinende seelische und körperliche Erkrankungen auf biblischem Wege geheilt wurde. Ich selber kann derartige Wunder bezeugen, die ich erleben durfte.

Aber hier soll es nicht nur um medienreife Wunderheilungen gehen. Übernatürliche Hilfe durch biblische Handlungen ist nämlich nicht nur dort angebracht, wo menschliches Können am Ende ist, sondern darf selbstverständlich bei jeder Art und Ausprägung körperlicher oder seelischer Nöte gesucht werden. Wenn wir z.B. sehr schüchtern sind und große Angst haben, einen Vortrag in der Schule zu halten, dürfen wir beten und uns von Gott helfen lassen. Er wird uns gerne beistehen und beruhigen und stark machen, egal ob wir nur einen trockenen Mund haben, einen Blackout oder eine richtig schlimme Panikattacke. Wenn wir mit unseren Problemen zu Gott kommen, belästigen wir ihn nicht etwa, sondern ehren wir ihn damit.

In meinem Beruf als Psychotherapeutin kann ich z.B. beobachten, dass klassische validierte und wissenschaftlich anerkannte Therapieinterventionen oft schneller und besser greifen, wenn der Patient gläubig ist und im Gebet darum bittet, dass Jesus ihm bei der Umsetzung behilflich ist.

Auch bei der Aufdeckung von Irrtümern und Abhängigkeiten, die ein Krankheitsbild aufrechterhalten, kann der christliche Glaube sehr hilfreich sein. So unterliegen z.B. Suchtpatienten meist dem Irrglauben, dass sie in ihrem Verhalten frei seien.  Sie denken z.B., sie würden sich die Freiheit nehmen, sich zu betrinken wann und wie sie wollen oder sie würden sich die Freiheit nehmen, zu essen wann und was sie wollen. Magersüchtige gehen in der Regel davon aus, sie könnten ihr Gewicht kontrollieren und damit die Haltung ihrer Mitmenschen beeinflussen.

Oftmals wird Suchtkranken erst in der Therapie klar, dass sie ganz und gar nicht frei handeln und erst recht nichts mehr unter Kontrolle haben, sondern dass sie „Sklave der Sucht“ geworden sind und längst von dieser kontrolliert werden. Auch bei diesen Krankheitsbildern kann man beobachten, dass Patienten, die sich für eine christliche Therapieeinrichtung entschieden haben, zu einem höheren Prozentsatz von der Sucht loskommen ohne wieder rückfällig zu werden, als Patienten, die keinen Bezug zum Glauben haben. Atheistische Berufskollegen führen den positiven Effekt des Glaubens darauf zurück, dass die Patienten in ihrem Glauben seelisch Halt gefunden hätten, was sie psychophysisch stabilisiere. Als christliche Therapeutin glaube ich jedoch, dass es Jesus Christus ist, der uns von allen Ketten, die uns binden und unfrei machen, befreien kann und das auch gerne tut, wenn man ihn darum ernstlich bittet.

Ein ganz besonders drastischer und zutiefst tragischer, ja nahezu teuflischer Irrtum ist auch bei suizidalen Patienten weit verbreitet. Sie sehen dann keinen anderen Ausweg mehr aus ihren Problemen und Depressionen, als den „Frei“tod. Dabei erliegen sie der Illusion, dass sie diesen vermeintlichen Ausweg frei wählen könnten, wie der verlockende Begriff „Freitod“ bereits suggeriert.

Einmal in diesem Gedankenmodell gefangen, finden sie immer mehr verlockende Vorzüge der Suizidalität, scheint deren Thematisierung sich doch unter Umständen auch zur Manipulation oder Bestrafung der Umgebung oder Gesellschaft zu eignen – jedenfalls auf den ersten Blick. Den genaueren zweiten Blick kann man dann mit therapeutischen Mitteln nur mühsam öffnen, weil die Patienten die vom Therapeuten angebotenen Schlüssel für diverse Heilungsschritte nur schwer annehmen können.

In der Tat verlangt eine solche Therapie den suizidalen Patienten viel ab, wenn sie nicht einen allmächtigen Gott an ihrer Seite wissen. Die Erkenntnis, dass der Freitod in Wirklichkeit eine Kapitulation darstellt, ein in die Knie gehen, ein sich beugen vor schwerwiegenden Belastungen, enttarnt ihn als alles andere als süß und frei. Plötzlich erscheint der Tod ihnen als das, was er ist: bitter und unfrei. Aber die Alternative, ein für die betroffenen Patienten sorgengeplagtes, sinnlos erscheinendes Leben, wird ebenfalls als Bürde empfunden.

Im Zustand dieses Dilemmas erfordert die schulmedizinische und psychologische Therapie von den Patienten eine hohe Motivation, Compliance und Anstrengungsbereitschaft, mit therapeutischer Unterstützung schrittweise ihre Fesseln loszuwerden und ein freies selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Wie gerne möchte unser gnädiger Gott den Gepeinigten dabei helfen! Darum ruft unser Herr und Heiland Jesus Christus uns zu: „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28)

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